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18
Mai
2017

Gelungene Inklusion mit beschränktem Gebärdensprachdolmetschereinsatz?

Abteilungen: Allgemein

Gelungene Inklusion mit beschränktem Gebärdensprachdolmetschereinsatz?

Boccia Turnier bei der Ev. Stiftung Alsterdorf

Unter der viel verheißenden Überschrift: „Boccia für alle“ lud die ev. Stiftung Alsterdorf am 18.02.2017 zu einem inklusiven Turnier ein. Wer wollte und Lust hatte, konnte sich anmelden. Also – nichts wie hin. Inklusiv – heißt ja auch für uns Hörgeschädigte und somit 

gingen wir von kommunikativer Barrierefreiheit während der Veranstaltung aus. Vor Beginn des Spiels trafen wir auf die bestellte Gebärdensprachdolmetscherin und ihre Praktikantin. Dabei erfuhren wir: Beide waren nur für eineinhalb Stunden gebucht. Wir waren gleich recht aufgebracht, denn ein Turnier würde ganz sicher länger dauern. Und bei einer Einladung zu einer inklusiven Veranstaltung – da erwarteten wir eben auch Kommunikation mit allen Beteiligten vom Anfang bis zum Ende. Da wir die Beschränkung unmöglich fanden, sprachen wir bei einer Mitarbeiterin vor, ob die Dolmetscherin eine halbe Stunde länger tätig sein könnte. Das wurde bejaht.

Bei der Begrüßung der Organisatorin wurde darüber informiert, dass die Barakiel-Halle 2014 gebaut wurde und dort diverse Sportarten für Behinderten und Nichtbehinderte stattfinden. Das heutige Turnier werde zum ersten Mal durchgeführt und weitere Veranstaltungen dieser Art seien 2017 geplant.

5 Gruppen mit je 4 Mannschaften – somit insgesamt 20 Mannschaften hatten sich angemeldet. Dabei waren die Mannschaften zwischen 1 bis 4 Personen groß. Astrid Marquardt, Kathleen Wolter und Petra Scholle bildeten eine. Gespielt wurden 2 Runden. Am Anfang des Spiels waren uns die Regeln etwas fremd. Boccia wird anders als Boule gespielt. Je mehr wir aber alles verstanden, desto mehr Spaß hatten wir auch.

Noch während der ersten Runde wurden wir von einer Mitarbeiterin befragt, ob uns das Spiel Spaß machen würde. Das war ja eher noch nicht der Fall. Auch ihr gegenüber brachten wir an, dass die begrenzte Einsatzzeit der Gebärdensprach-dolmetscherin bis 13.00 Uhr und die anschließenden Kommunikationsbarrieren uns nicht glücklich machten. Wir machten deutlich: Unter Inklusion verstehen wir etwas anderes. Ihre Antwort lautete: Ein längerer Dolmetscheinsatz sei nicht bezahlbar. Vielleicht war deshalb auch nur 1 Dolmetscherin anwesend und nicht wie üblich bei der Veranstaltungslänge 2?! Diese Begründung, das Geld sei knapp bemessen, kam bei uns nicht gut an. Wir machten deutlich, dass wir es schon oft gehört haben und es uns einfach nur frustriert. Auch sei es keine Gleichbehandlung aller Teilnehmer, denn auch die Rampe und Induktionsschleife wären bis zum Veranstaltungsende verfügbar und würden nicht mittendrin abgebaut werden. Wir deuteten an, unter den gegebenen Umständen kein weiteres Mal an einer Veranstaltung teilzunehmen. Die Gebärdensprachdolmetscherin verließ das Turnier dann 13.30 Uhr. Weitere Ansagen der Redner am Mikrofon – verpassten wir.

Die Ehrung fand 16 Uhr statt. Weil es 5 Gruppen waren, wurden folgende Preise verliehen: 5x 4. Preis, 5x 3. Preis, 5x 2. Preis und 5x 1. Anhand welcher Kriterien und Punktstände, erschloss sich uns leider nicht. Auf die Leinwand wurde per Beamer ein Text projiziert. Nur war der wesentlich kürzer als die Redeeinheiten am Mikrofon. Leider dumm gelaufen für uns. Wir waren also genau das Gegenteil von inkludiert – nämlich ziemlich ausgeschlossen.

Petra Scholle

 

Kommentar des geschäftsführenden Vorstands

Der HGSV hat seit Herbst 2012 am 03. November 2013 mit dem Positionspapier „Inklusion und Sport in Hamburg“ mitgewirkt, die vier konkreten Handlungsfelder benennen, die bis Ende 2019 umgesetzt werden müssen. Eine aus finanziellen Gründen abgespeckte Inklusion Hörgeschädigter geht damit nicht konform und verfehlt die im HSB getroffenen Vereinbarungen und Bemühungen. Wir sind darüber insbesondere betroffen, als dass der Veranstalter die Stiftung Alsterdorf war, die langjährig mit Menschen mit Behinderung, auch Hörschädigung arbeitet.

Wir werden die mit dem HSB getroffenen Ziele weiter verfolgen, so dass Hamburg nicht nur Sportstadt ist sondern tatsächlich auch Inklusion im Sport ganz groß schreibt.

Vorstand und Geschäftsführer des HGSV 1904 e.V.

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